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oder Tatendrang?
Ein aufschlussreicher Artikel


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Interessantes zum Lesen


Bewegungsbedürfnisses oder Tatendrang?



Die Idee, dass Hunde ein Bedürfnis nach Bewegung haben, hält sich hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen. Oft werden Hunde als „Lauftiere“ beschrieben und diese Beschreibung als Ursache des Bewegungsbedürfnisses gesehen. Dazu Dr. vet. med. Claudia Ruschewski: „Lauftiere sind Tiere, die aus verschiedenen Gründen schnell oder viel laufen müssen. Dazu benötigen sie einen speziellen Körperbau mit besonderen Merkmalen, die sie befähigen, entweder sehr weite Strecken ausdauernd zu rennen oder auf kurzen Distanzen so richtig gut zu sprinten.“  Dazu möchte ich noch anmerken: Die unterschiedlichen Körpermerkmale fallen uns bei den unterschiedlichen Rassen und ihren Verwendungszwecken ins Auge. Es spricht mich zudem an, dass Frau Dr. vet. met. Ruschewski erwähnt, dass es Gründe zum Laufen gibt!

Auch gibt es die weit verbreitete Meinung, dass ein Hund mindestens 2 Mal täglich spazieren gehen muss. Sicherlich braucht ein Hund Bewegung  – genau wie der Mensch – um gesund zu bleiben. Hätten Hunde tatsächlich ein großes Bedürfnis nach Bewegung, würden sie von sich aus sich mehr bewegen. Was sie tatsächlich sehr viel tun (bis zu 20 Stunden) ist ruhen oder auch schlafen. So sparen sie ihre Energie für wirklich Wichtiges.
Sieht man jedoch genau hin, kann man erkennen, dass die Hunde sich nicht nur „einfach“ so bewegen, sondern bestimmte Absichten verfolgen und um diese zu erreichen, ihre Bewegungsmöglichkeiten einsetzen. Dazu gehört auch das Laufen.

Hunde sind und bleiben soziale Beutegreifer, das heißt, soziale, intelligente Individuen, deren angeborene Bedürfnisse in ihren Instinkten (Jagdinstinkt, sozialer Rudelinstinkt, Territorialinstinkt und Sexualinstinkt) verankert sind. Die Instinkte sind die Basis der hündischen Lebensziele und Bedürfnisse und ihre Bewegungsmöglichkeiten der Motor, um die Ziele zu erreichen.

Sich zu bewegen ist immer mit einem Ziel verbunden, das ist bei allen lebendigen Geschöpfen gleich, denn lebende Systeme sind Bewegungssysteme. Mit Bewegung gestalten Menschen und Tiere ihren Alltag. Jedes Tier bewegt sich, um Futter und Sexualpartner zu finden (Verfolgen eines Geruchs), das Territorium zu kontrollieren und soziale Kontakte zu knüpfen oder sie zu vermeiden. Außerdem dient die Bewegung der Kommunikation (Körpersprache) und ist die Basis des Lernens (durch sinnvolle Aktivitäten, die im günstigsten Fall auch Spaß machen). Zudem werden durch gemeinsame Aktivitäten Beziehungen gebildet.

Auch wir Menschen benutzen diesen Motor, um unseren Alltag zu gestalten. Wir bewegen uns auf jemanden zu oder wenden uns von jemanden ab. Wollen wir einen schönen Garten haben, sind wir aktiv mit Hacke und Spaten, für eine saubere Wohnung schwingen wir den Besen. Wollen wir ein Buch lesen, bewegen sich unsere Augen. Jede Tätigkeit ist Bewegung.

Und wollen wir etwas Schönes mit unserem Hund unternehmen, ja, dann müssen wir uns auch bewegen! Am besten auch in unseren „Denkbewegungen“….

Die erste Änderung menschlichen Denkens sollte sein, dass wir verstehen, dass die Hunde nicht nur spazieren gehen wollen und warum das so ist. Ihre Ambitionen, mit uns zusammen das Haus zu verlassen, liegen woanders. Aufgrund ihrer Instinkte sind sie voller Tatendrang. Sie wollen sich weniger entspannen, so wie wir eventuell, sondern etwas erleben. Zum Beispiel nette ArtgenossInnen treffen oder, wenn sich die Gelegenheit ergibt, einem potentiellen Beutetier hinterher jagen und je nach Rasse, es auch erlegen. Das liegt in der Natur eines sozialen Beutegreifers, auch wenn er als Familienhund gehalten wird.

Schon bei jungen Welpen sehen wir, dass sie in ihrem Spiel schon jagdliche Eigenschaften erlernen und diese im Lauf der Zeit verfeinern. Sie rennen mit ihren Geschwistern fliegenden Blättern hinterher – zielorientiert – oder verfolgen einander, ebenfalls zielorientiert, sie laufen mit Lappen oder anderem Spielzeug weg oder apportieren es zu einem sicheren Platz oder auch zu einem Menschen.
Die erfahrene Hundemutter bringt ihnen bei, was im Leben eines sozialen Beutegreifers von großem Nutzen ist: Jagdstrategien! Sie bringt ihnen auch bei, wie man sich innerhalb des Rudels oder ihr gegenüber verhält. Aber eines bringt sie ihnen ganz gewiss nicht bei: Sich ohne Sinn und Zweck zu bewegen oder gar sich dabei noch übermäßig sinnlos anzustrengen.

Dem Hund wirklich viel Bewegung zukommen zu lassen, heißt also nicht, ihn 3 Mal täglich um die Häuser zu führen. Auch heißt es nicht, mit ihm kilometerlang zu joggen oder ihn am Fahrrad mit laufen zu lassen. Dem Hund fehlt hier ganz einfach die Sinnhaftigkeit. Auch wenn er sicherlich gerne „bei“ seiner Bezugsperson ist, kann dies dazu führen, dass er sich unverstanden fühlt und frustriert ist.

Diese menschlichen Bewegungsgewohnheiten könnten am Ende zum Beispiel mit einer Suche nach einer Ersatzbeute kombiniert werden. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, wie lange der Hund schon gelaufen ist und wie anstrengend die Suche dann noch sein darf.

Es wäre allerdings auch zu wenig, nur ein paarmal einen Futterbeutel in die Wiese zu werfen und den Hund zum Apportieren zu schicken. Für den Hund wird das irgendwann sehr langweilig werden. Und diejenigen Hunde, die ernsthaft veranlagte Jäger sind, werden sich nicht ernst genommen fühlen.

Die meisten Hunde lassen sich gerne auf unsere ersatzjagdlichen Angebote ein, auch schon als Welpe. Ich benutze dazu aus Leinen gefertigte Futterbeutel, in die ich das Futter unseres Hundes hinein fülle. Oder auf mehrere Beutel verteilt, je nachdem welcher Hund das ist, welches Alter, Stand der Beziehung und der gewählten Aktivität.

Die Ziele sind dabei: Der Hund orientiert sich gerne an uns. Wir können sein angeborenes Jagdverhalten in gewünschte Bahnen lenken und in eine gemeinsame spannende Jagd, die sich in jeden Spaziergang einbauen lässt. Und am Ende verhilft es dem Hund zu einem zufriedenen und satten Gefühl. Mensch und Hund können dabei viel Spaß haben. Zusammen bewegen wir uns mit Sinn, schleichen uns zum Beispiel auf eine Ersatzbeute (Futterbeutel) an, wir schicken den Hund zielgerichtet auf diese Beute zum Apportieren oder folgen gemeinsam einer Geruchsspur.

Die Möglichkeiten, den Hund hundgemäß auszulasten sind vielseitig, wie zum Beispiel auch durch eine vom Menschen initiierte Hetzjagd mit der Reizangel, eine große Fläche gemeinsam abzusuchen (revieren) und vieles mehr. Natürlich gelingt das auch noch mit einem älteren Hund, angepasst an seine individuellen Möglichkeiten.

Und - machen wir es richtig -, werden wir bemerken, dass unser Hund auch ganz nebenbei unsere Regeln akzeptieren und befolgen lernt. „Richtig machen“ bedeutet, es so zu gestalten, dass es für einen erwachsenen Hund einen ernsthaften Charakter hat und keinen „Kinderkram“ darstellt. In meiner Hundeschule lernst du, wie du mit deinem Hund am besten in diese Art der Beschäftigung einsteigen kannst, wie du dich dabei bewegst und mit deinem Hund kommunizierst und am Ende die Beute teilst. Ich berate dich dabei sehr gerne, weil mir diese Art des Zusammenlebens mit Hund selbst sehr viel Freude macht, die ich gerne mit Dir teilen würde.

Wir sollten den hündischen Tatendrang ernst nehmen und diesen nicht nur durch einen Spaziergang bedienen, sondern durch das gemeinsame Erlebnis einer spannenden Ersatzjagd!

Bei Fragen zu dem Artikel würde ich mich über eine E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! sehr freuen.

Zu diesem Themenkomplex biete ich die verschiedensten Kurse und Workshops an.

Ein Basiskurs „Spazierst du noch oder jagst du schon?“ beginnt am 21.04.2018 und hat 4 Folgetermine.


Copyright und Autorin: Monika Erkens

 

 


Schon gewusst?



Wie die Tierart „Mensch“ lernen auch Hunde bereits im Mutterleib und machen dort ihre ersten motorischen, sensorischen und emotionalen Erfahrungen, die sie als Grundwissen mit auf die Welt bringen. Nach der Geburt gibt es ein naheliegendes Ziel: die mitgebrachten Talente weiter zu entwickeln, sie sinnvoll einsetzen zu können und daran zu wachsen. Dabei werden sie von ihren Eltern "angeleitet". Das bedeutet von ihrer Hundemama oder erwachsenen Tieren aus dem Rudel.

Es macht Sinn für uns Menschen, dies mit unserem Hund genauso zu tun. Als Hundeersatzeltern sollten wir unserem Hund beibringen, was er als sozialer Beutegreifer lernen möchte und dabei sorgen für seine Sicherheit. So können wir erreichen, dass sich unser Hund gerne an uns orientiert und uns vertrauen kann.

Dabei spielt unsere Bewegung eine große Rolle!

 

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